Wie das Danken Dein Denken verändert
Ein Gastbeitrag von Liane Wagner
Ich formuliere zu jedem Buchstaben des Alphabets Gedanken und bleibe beim „D“ hängen. „D“ wie Danken. Gähn.
Kein weiterer Text zum Danken bitte – so dachte ich. Die letzten zwei Jahre habe ich viel Energie darauf verwendet, mich im anhaltenden Dank zu üben. Das war oft, vielleicht sogar meistens, alles andere als leicht.
Irgendwann standen andere Themen mehr im Vordergrund. Und mir scheint, dass der Fokus langsam, aber sicher abzuweichen scheint. Wie bei einem Schiff, wo die minimale Koordinatenabweichung auf weiter See im ersten Moment unbemerkt bleibt und im Laufe der Reise überraschend sichtbar wird.
Vor meinem geistigen Auge sehe ich einen Trampelpfad, der an manchen Stellen deutlich ausgetreten ist. Doch hier und da wuchert Gras; der nächste Schritt ist nicht immer klar zu erkennen. Sieht ganz danach aus, dass hier schon länger niemand gegangen ist. So kommt er mir vor: der Weg des Dankens.
Zunächst habe ich sie nicht bemerkt: die kleinen Auswüchse des Undanks. Sie keimten auf und dann wunderte ich mich über ihre Triebe. Eine hässliche Aussaat, die Wurzeln schlagen will, sich festigen und im Herzen zu nähren sucht.
„Die Länge trägt die Last“ oder „der Zahn der Zeit nagt“ – vielleicht kennst Du diese Aussagen. Ja, sich für ein Wochenende, an dem der Koch auf einer Freizeit nicht gerade unsere Lieblingsspeisen serviert, zum höflichen „Danke“ durchzuringen, ist eines. Ein profanes Beispiel.
Einen kurzen, obgleich heftigen Schmerz auszuhalten und im Gebet ein „Danke, Gott!“ durchzuringen ist schon etwas anderes. Doch – was, wenn Missstände anhaltend sind? Wenn aus akuter Not eine chronische wird? Tage von Wochen, Monate von Jahren abgelöst werden?
Für zwei Wochen im Jahr pflegebedürftige Angehörige zu versorgen ist anstrengend, aber machbar. Was, wenn Du täglich für sie sorgen musst?
Ein schreiendes Baby scheint „jeder“ beruhigt zu bekommen. Zu mindestens lässt sich das Schreien eine Viertelstunde ertragen. Wenn auch mühsam. Aber tagelang, nächtelang diesem Geräuschpegel ausgesetzt zu sein, lässt alle guten Vorsätze schwinden.
Die Suche nach Lösungen kann anstrengend sein. Wenn Dir klar wird, dass es menschlich betrachtet vielleicht gar keine gibt, ist das ernüchternd, desillusionierend, schmerzhaft.
Ich weiß nicht, was die „Killer“ Deiner Dankbarkeit sind. Oft weiß ich das von mir nicht.
Heute möchte ich mit Dir gemeinsam darüber nachdenken, welche Auswirkungen Dankbarkeit für unser Leben hat.
Gleichwohl Dankbarkeit ein Gebot Gottes ist, bekommt dieses vielleicht so viel Beachtung wie das „sich nicht zu sorgen“ oder sich „allezeit zu freuen“. Manchmal ist unser Alltag als Kinder Gottes meilenweit davon entfernt.
Wenn Dir ein Unglück widerfährt, ein Trauerfall eintritt, das „Schicksal“ zuschlägt, dann ist oft die Anteilnahme groß. Dir wird Mut zugesprochen, Du erhältst Post, Anrufe, Zusagen der Gebetsunterstützung. „Geteilte Last“ ist halbe Last. Ein wahres Sprichwort. Du erfährst, was es heißt: „Nehmt Anteil an den Nöten der Heiligen“ (Römer 12, 13a).
Wer tut es noch nach einem halben Jahr? Nach zwei Jahren?
Mir schrieb eine Frau: „Ein Prediger hatte mal gesagt: Die Länge trägt die Last. Was ich damals überhaupt nicht verstanden habe; aber nach 10 Wintern weiß ich, was er meint.“
Zehn lange Winter. Kennst Du Menschen, die nicht (nur) eine Woche lange krank sind, sondern Monate, Jahre? Weißt Du, wie es der Witwe, dem Witwer geht, der vielleicht über den 8. Todestag seines Ehepartners trauert? Können wir erahnen, was es heißt, dass die Länge die Last trägt? Wenn Du eine lange Zeit Deines Lebens gelitten hast oder leidest, chronisch erkrankt bist, oder jemanden kennst, auf den das zutrifft, hast Du eine Idee, wovon diese Frau mir schrieb.
Dankbarkeit – gilt sie auch dann?
Von wem kannst Du die Ermahnung annehmen, allezeit dankbar zu sein?
Meist lassen wir uns nur gern von denjenigen was sagen, die Ahnung haben. Das Auto lassen wir von einem Fachmann inspizieren. Fragen zur Kindererziehung beantworten Eltern oder Pädagogen. Einen pharmakologischen Rat erbitte ich von einer Apothekerin oder PTA. Wusste Paulus, wovon er schreibt?
Seid in allem dankbar; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.
» 1. Thessalonicher 5, 18
Ich frage mich: Warum will Gott, dass wir danken? Wer an Gott glaubt weiß, dass Gott gut ist. Das alles, was er tut, immer und ausnahmslos gut ist. Daher dürfen wir ebenso glauben, dass er nur etwas befiehlt, was zu unserem Besten dient.
Das verändert meine Blickrichtung. Weg von einem „ich muss danken, weil ich danken muss“ hin zu „ich darf danken, weil es Gott ehrt und auch gut für mich ist“.
Was macht also Dankbarkeit mit mir, mit meinem Denken, meinem Gemüt?
Neugierig mache ich mich auf die Suche.
In einem Interview höre ich davon, dass Dankbarkeit unser Denken prägt und verändert. Das wird wohl keinem Leser neu sein. Doch weil ich mich gerade mit diesem Thema (wieder) vermehrt befasse, denke ich weiter darüber nach. Viele Bibelverse kommen mir in den Sinn. Was bewirkt es genau? Ich werfe einen Blick auf die Psychologie und finde folgende Beschreibung der künstlichen Intelligenz im Netz:
Neurale Bahnen zu verdrahten lässt mich an meinen eingangs zitierten Trampelpfad denken, der – so hörte ich es in dem Interview – zu einer Autobahn der Dankbarkeit werden kann.
Dankbarkeit verändert das Denken, indem es die Gehirnstrukturen für positives Denken stärkt, den Fokus auf das Gute lenkt und negative Gedanken verdrängt, was zu mehr Zufriedenheit, weniger Stress und höherer Resilienz führt. Regelmäßiges Üben von Dankbarkeit, etwa durch ein Dankbarkeitstagebuch, kann neuronale Bahnen neu verdrahten und die Ausschüttung von Glückshormonen wie Dopamin und Serotonin fördern.
Du kennst das Phänomen: Auf der Suche nach einem neuen Auto, sagen wir mal ein rotes, fallen Dir plötzlich die vielen roten Fahrzeuge auf den Straßen auf. So ist es auch mit dem Dank. Wer Dankesgründe sucht, wird fündig. Wer immer mehr dankt, wird immer mehr finden, wofür er danken kann. Und: Wer Gott dankt, läuft nicht Gefahr, bei den Gaben statt beim Geber zu verweilen, sondern darf immer wieder die Geschenke betrachten und Gott dabei bewundern.
Gottes Wort fordert uns auf, dass unser Denken erneuert werden muss:
Und passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern lasst euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.
» Römer 12,2
Unser Denken braucht eine Transformation. Weg von der „Negativitätsverzerrung in der Wahrnehmung“ wie es die Psychologen bezeichnen, hin zu einem Gott ehrenden, Dank opfernden Lebensstil.
Der Weltlauf ist von Gottlosigkeit, schlechten Nachrichten, entmutigenden und perspektivlosen Geschichtsschreibern geprägt. Die Erneuerung der Sinne bewirkt der gute Heilige Geist, der in uns wohnt. Ein von Gott verändertes Denken versetzt uns in die Lage, aufzumerken und zu tun, was Gott möchte. Ein Aspekt seines Willens ist: Dankbarkeit.
Hier schließt sich der Kreis.
Gott tut Dir Gutes, indem er Dich auffordert, dankbar zu sein. Er macht Dich mutig, indem Du lernst auf ihn zu sehen, und nicht hoffnungslos zu sein.
Und der Friede Gottes regiere in euren Herzen; zu diesem seid ihr ja auch berufen in einem Leib; und seid dankbar!
» Kolosser 3,15
Seitdem ich konzentriert darauf achte, worüber ich nachdenke, wird mir wieder mehr bewusst, dass Danken dem Ursprung nach eher rational als emotional ist. Ich darf mich dafür entscheiden. Ich brauche nicht darauf zu warten, dass es sich danach anfühlt. Umstände rufen nicht immer Dank in uns hervor. Anhaltende Umstände, die uns viel abverlangen, erst recht nicht.
Mir fällt auf, wie oft ich denke, dass ich nicht mehr kann. Viel zu hohe Herzfrequenzen lassen mich fühlen, was mir durch den Kopf geht. Ausgeprägte Schwäche zeigt mir, dass es stimmt. Dennoch: ich erlebe am eigenen Körper, dass sich etwas verändert, wenn ich bewusst denke: „Gott, du kannst noch“. Statt: „ich kann nicht mehr“. Ich entlarve dabei, dass mein „ich kann nicht mehr“ manchmal auch in Wahrheit ein „ich will nicht mehr“ ist. Auch das darf ich Gott bringen. Ja, ich fange (wieder) an, für die kuriosesten Dinge zu danken und erfahre, wie gut es tut. Manchmal muss ich so viele Einträge in mein Dankbarkeitstagebuch vornehmen, bis mein Herz in den Dank einstimmt.
Denn es stimmt: Alles, was Gott befiehlt, ist zu unserem Besten. Immer. Auch das Danken.
Was bewirkt Dank in mir? Ich werde froh. Zuversichtlicher, hoffnungsvoller.
Ja, ich behaupte, dass es auch angenehmer in meiner Nähe wird. Wenn ich nicht Schwermut, sondern Lebensfreude ausstrahle. Ganz nebenbei tue ich meiner eigenen Gesundheit etwas Gutes, denn: „Ein fröhliches Herz fördert die Genesung, aber ein niedergeschlagener Geist dörrt das Gebein aus.“ (Sprüche 17, 22)
Schmunzelnd lese ich von Jakob, der sieben Jahre für Rahel arbeitete: „So diente Jakob um Rahel sieben Jahre lang, und sie kamen ihm vor wie einzelne Tage, so lieb hatte er sie.“ (1. Mose 29, 20) Aus Jahren wurden Tage, weil er voller Liebe, voller freudiger Erwartung war. Jeder Tag brachte ihn (so dachte er) seiner Geliebten näher. Wie ist das bei uns?
Heute bist Du der persönlichen Begegnung mit Gott einen Schritt näher.
Jeder Augenblick führt Dich weiter dem Ziel entgegen: Nah bei Jesus, in Ewigkeit.
» Binty – Nah bei Jesus, 2025
Das Danken für die herrliche Zukunft, die uns bevorsteht, hilft die Gegenwart leichter anzunehmen. Nicht der Vergleich mit Menschen, denen es besser oder schlechter als mir geht, hilft mir wirklich weiter, sondern der Blick auf Christus gibt Mut zum Leben. Wenn ich über Gott nachdenke, seine Güte bewundere und die scheinbar kleinen Dinge des Alltags als persönliche Liebesbeweise meines himmlischen Vaters betrachte, wird mir bewusst, dass alles Gnade ist.
Im Übrigen, ihr Brüder, alles, was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was wohllautend, was irgendeine Tugend oder etwas Lobenswertes ist, darauf seid bedacht!
» Philipper 4,8
Hat das Danken Dein Denken erneuert?
Eingang hast Du davon gelesen, dass Dinge sich verändern, schwerer wiegen, wenn Zeit ins Land geht. Der Modus Dankbarkeit bleibt nicht einmal eingestellt für immer bestehen, sondern bedarf der regelmäßigen Feinjustierung. Wie bei dem Schiff, wo die Kursabweichung zunächst kaum ins Gewicht zu fallen scheint, langfristig jedoch einen Umweg bewirkt. Wohl aus dem Grund werden wir in der Bibel dazu ermahnt, aufmerksam achtzugeben, in Dankbarkeit zu verbleiben.
„Seid ausdauernd im Gebet und wacht darin mit Danksagung.“ (Kolosser 4, 2)
Eine Person meldet sich nicht wie vereinbart? Die Mitarbeiter im Amt scheinen ihren Pflichten nicht nachzukommen? Nebenwirkungen von Medikamenten manifestieren sich? Quälende Schmerzen wollen nicht weichen? Schlaflose Nächte werden zum Standard?
Kurzfristig ist alles aushaltbar, verkraftbar, händelbar. Und auf lange Sicht?
Die Länge trägt die Last. Ist das so? Kann die Länge wirklich unsere Last tragen? Wir verstehen, wie es gemeint ist: Die Länge zeigt auf, wie schwer die Last wirklich ist.
Gott will unsere Last tragen. Wir dürfen einander helfen, Lasten zu tragen. „Einer trage des anderen Lasten, und so sollt ihr das Gesetz des Christus erfüllen!“ (Galater 6, 2)
Vielleicht auch dadurch, indem wir demütig für diejenigen beten, die Dankbarkeit buchstabieren. „D“ wie danken. Du erinnerst Dich.
Liane Wagner ist Berufspädagogin und lebt mit ihrem Mann in NRW. Ihr Anliegen ist, die beste Nachricht der Welt mit anderen Frauen zu teilen: Lebe als Binty – Gottes geliebte Tochter.
Unter www.binty.de erfährst du mehr.
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