Was erzählt dein Leiden?
Dieses Gebet Davids hat mich tief getroffen. Mitten in Verzweiflung, Anfeindungen, Verachtung und schierer Not erinnerte er sich daran, dass sein Verhalten auch zu diesem Zeitpunkt Auswirkungen auf andere Gläubige hatte. Er fürchtete darum, dass sündiges Gebaren seine Glaubensgeschwister beschämen und ihre Hoffnung auf Gott getrübt oder gar zerstört werden könnte.
Lass nicht durch mich beschämt werden, die auf dich hoffen, Herr, HERR der Heerscharen! Lass nicht an mir zuschanden werden, die dich suchen, Gott Israels!
» Psalm 69,7
Inzwischen ist auch mir bewusst, dass Leid ist kein „persönliches“ Ding bleibt. Auch wenn Mancher meint, dass persönliche Not niemand etwas angehen würde, so ist es doch nicht zu verhindern, dass Menschen den persönlichen Glauben des Leidenden mit seinen Worten und seinem Benehmen in Verbindung bringen. Menschen beobachten einander, seien es die eigenen Kinder, der Ehepartner, die Verwandten, die Nachbarn, die Gemeindemitglieder, Ärzte oder das Krankenhauspersonal… Alle nehmen (un)bewusst wahr, wie ein Leidender leidet, besonders wenn es sich dabei um ein Kind Gottes handelt.
Dabei erzählt der individuelle Umgang mit Leid dem Aufmerksamen überschwänglich viel. Beim Nachdenken darüber stellten sich mir folgende Fragen:
Was erzählen meine Umgangsformen im Stress Beobachtern über Gottes Liebe?
Was erzählt mein Anspruchsdenken im Leid Anderen über Gottes Wert?
Was erzählt mein Verhalten in Schwierigkeiten Nebenstehenden über Gottes Charakter?
Was erzählt mein Betragen, wenn meine Welt Kopf steht, Neugierigen über Gottes Souveränität?
Hmmm. Ziemlich unbequeme Fragen. Die sehr beschämende Erinnerungen zurückbringen, -aber auch erfreuliche. Vor ein paar Wochen drückte eine Arzthelferin ihr Mitgefühl aus:
»Halten Sie durch! Doch man sieht Ihnen an, das Sie innerlich stark sind.«
Darüber freute ich mich sehr und konnte diese Gelegenheit dazu nutzen ihr kurz und knapp von dem erzählen, der meine einzige Stärke ist: Jesus Christus.
Denn Er ist es wert!
Er ist es wert in jeder schwierigen Lage durch Wort oder Tat gelobt zu werden, und sei es einfach nur durch die Ausstrahlung seines Friedens, der alle Vernunft übersteigt oder eine dankbare Haltung. Er hält die Kraft in jeder Situation bereit, gerade dann durch Ihn ein Zeugnis für Ihn zu sein. Er ist der Held der Geschichte. Auf Ihn will ich blicken und seinem Vorbild folgen. Denn jeder, der auf Ihn blickt, wird in sein Ebenbild verwandelt werden (s. 2Kor 3,18). Das beste Zeugnis überhaupt!
„Alle, die zu ihm aufschauen, werden strahlen vor Freude! Nie werden sie beschämt sein.“ (Ps 34,6)
Deswegen soll Davids Entscheidung auch die meine sein, welche er ein paar Verse weiter fasste:
„Ich will den Namen Gottes loben mit einem Lied und ihn erheben mit Dank.
Wenn das die Elenden sehen, werden sie sich freuen. Ihr, die ihr Gott sucht, euer Herz soll aufleben!“ (Ps 69,31.33)
