Verheißungen kontra Realität
Verse, die unserem Erleben widersprechen, stellen uns vor die Entscheidung: Vertrauen wir Gott oder zweifeln wir?
Manche Verse bereiten mir manchmal ganz schön Mühe. Beispielsweise Sprüche 19,23:
„Die Furcht des HERRN dient zum Leben; wer daran reich ist, der wird über Nacht von keinem Unglück heimgesucht.“
Sofort muss ich an die verfolgten Christen in Nigeria denken, die oft des Nachts überfallen, gejagt und gemordet werden. Oder auch an die Christen, die rund um den Globus von der Polizei eben bewusst mitten in der Nacht festgenommen werden.
Ähnlich verhält es sich mit dem Vers aus Psalm 37,25:
„Ich bin jung gewesen und alt geworden, doch habe ich nie den Gerechten verlassen gesehen, oder seinen Samen um Brot betteln.“
Viele Christen haben um Christi willen alles verloren und müssen nun in tiefer Armut leben. Da gibt es die vielen Geschwister unter den Unberührbaren in Indien oder die gläubigen und hungernden Gefangenen in den Lagern Nordkoreas.
Wie passen solche Verse mit den gegebenen Umständen zusammen?
Ich weiß es nicht. Ich habe keine schlaue Antwort darauf, auch wenn es sie wahrscheinlich gibt. Meine Erkenntnis ist sehr begrenzt. Doch das weiß ich, aus vielfacher Erfahrung: Gottes Wort ist wahr und unfehlbar. Und seine Zusagen hält er gewiss, denn er kann nicht lügen.
Also vertraue ich Gott trotzdem, auch wenn meine Beobachtung oder Erfahrung mit manchen Sätzen in seinem Wort kollidiert.
Für was entscheidest du dich in solchen Fällen?
Paulus
Paulus ging es vielleicht ähnlich, wenn er las:
„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ (Ps 23,1).
Denn er schrieb an die Philipper:
„Ich verstehe mich aufs Armsein, ich verstehe mich aber auch aufs Reichsein; ich bin mit allem und jedem vertraut, sowohl satt zu sein als auch zu hungern, sowohl Überfluss zu haben als auch Mangel zu leiden“ (Phil 4,12).
Den Korinthern vertraute er gar an:
„Bis zu dieser Stunde leiden wir Hunger und Durst und Blöße, werden geschlagen und haben keine Bleibe“ (1Kor 4,11).
Hiob
Es ist der alte Streitpunkt zwischen Hiob und seinen Freunden. Segnet Gott den Gottesfürchtigen immer überreich und straft den Gottlosen schnell? Der Gottesfürchtige müsste niemals Unglück oder Hunger fürchten. Das zumindest behaupteten die Freunde Hiobs.
Doch Hiob antwortete in etwa so: „Schaut euch um. So ist es einfach nicht. Und ich verstehe es auch nicht. Aber Gott ist Gott. Er ist der Allmächtige und er tut, was ihm gefällt. Er ist gerecht und niemand kann sein Tun verstehen.“
Das ist wahr. Gott ist größer als unsere Schwarz-Weiß-Logik und alle unsere Weisheit zusammengenommen. Hiob hatte das verstanden. Doch seine Freunde wurden für ihre platte Theologie getadelt.
Gott ist Gott, der Allmächtige. Was er sagt, dass hält er auch. Er ist absolut vertrauenswürdig. Dabei gilt: Sein Wort ist lebendig und kein totes Gesetz. Gott entscheidet immer noch, wem er wann seine Verheißungen angedeihen lässt. Das ist sein göttliches Recht. Und er trifft seine Entscheidungen uns zum Wohl. Wenn er seine Versprechen an uns wahr macht, geschieht es aus seiner überfließenden Gnade, die von seinem Thron zu uns strömt.
Und es bleibt Gnade.
Ist das nicht ganz wunderbar?
