Sein wie Er
„Ihr werdet sein wie Gott…“, flüsterte die Schlange Eva im Garten Eden zu.
Wie begehrenswert das klang! Irgendetwas in ihrem Herzen wurde von dieser Lüge angesprochen. Eva wollte sein wie Gott, obwohl sie und Adam doch in Gottes Ebenbild geschaffen worden war. Wie paradox!
Davon ahnte sie wahrscheinlich nichts und aß. Von einem Augenblick auf den anderen entstellte die Sünde das Bild Gottes in ihnen. Es gab kein zurück mehr!
Seither wünschen wir uns Menschen, wie Gott zu sein. Seit unserer Erschaffung ist das Teil unserer Berufung gewesen, -nicht anstelle von Gott Gott zu sein, sondern sein göttliches Wesen widerzuspiegeln. Das hat die Sünde entstellt, doch das ändert nichts an Gottes gutem Willen für uns. Er beruft seine Kinder noch heute dazu, dem Bild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden (s. Röm 8,29).
Um dies zu verwirklichen greift Gott selbst zur Schürze und formt mit viel Liebe und Geduld sein Ebenbild in uns.
Für uns ist das ein langer und oft schmerzvoller Prozess. Aber er ist wichtig und sinnvoll. Wie Jesus durch Leiden vollendet werden musste, wie es der Autor in Hebr 2,10 formulierte, so müssen auch wir durch Leiden vollendet werden, damit wir ihm ähnlich werden. Ist das nicht ein tröstlicher ‚Leidenssinn‘?
Gott führt uns durch diesen Prozess hin zu dem Ort und in den Zustand, an dem wir endlich unseren gottgegeben Lebenssinn erfüllen: Zum Himmel, in dem wir, Jesus ähnlich gemacht, Gott in reinster Form verherrlichen werden.
Wird das nicht wunderbar sein? Endlich werden wir ‚angekommen‘ sein, ja zutiefst zufrieden sein, weil wir zu guter Letzt den Sinn voll und ganz erfüllen werden, für welchen wir von Gott erschaffen und berufen worden sind! Auch all das erlebte Leid auf Erden wird darin seinen Sinn bekommen haben und wird zum krönenden Abschluss gekommen sein.
Nichts war umsonst.
Die tiefe Sehnsucht unserer Seele wird erfüllt sein.
Endlich zu Hause, bei Gott.
„Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Kinder Gottes heißen sollen! … Geliebte, wir sind jetzt Kinder Gottes, und noch ist nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen aber, dass wir ihm gleichgestaltet sein werden, wenn er offenbar werden wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“
» 1. Johannes 3,1-2
