Boxenstopp
Erzwungener Stillstand. In einer Warteschleife gefangen.
Und die Zeit drängt.
Der Fahrer des Rennwagens rast auf der Überholspur an seinen Gegnern vorbei. Plötzlich leuchtet eine Warnlampe auf. Das akustische Warnsignal ist nicht zu überhören. Ein Boxenstopp ist zwingend notwendig.
Er fährt rechts ran. In Windeseile werden die Reifen gewechselt und der Wagen aufgetankt, aber es kommt kein OK für das Weiterfahren. Fieberhaft fahndet das Team nach dem Grund der Fehlermeldung.
Der Fahrer sieht mit steigender Nervosität einen Wagen nach dem Anderen an sich vorbei sausen. Die Uhr tickt. War er nicht hierher gekommen um zu siegen? Wertvolle Zeit ist längst verstrichen. Doch er muss warten. Stillstand. Würde er noch eine Chance bekommen oder war das Rennen für ihn schon vorbei? Er war schon als Kind nicht besonders geduldig gewesen.
»Halte still!«, hatte ihn seine Mutter in seiner Kindheit in den unpassendsten Momenten aufgefordert.
»Es dauert nicht lange. Aber wenn du nicht still hältst, kann ich nicht…
…den Dorn aus deinem Finger entfernen.
…dein verletztes Knie verbinden.
…den Schmutz aus deinem Gesicht wischen.«
Oder viele andere notwendige Dinge tun.
So oft musste er schon still sitzen.
Manchmal müssen wir das auch.
Die Zeiten, in denen wir ‚still halten’ müssen und scheinbar nichts in dieser einen so wichtigen Sache unternehmen können, empfinden wir als verloren, vertan, endlos, sinnlos.
Da ist das Warten auf die Befunde, die Zusage, die guten Nachrichten, einen positiven Schwangerschaftstest, die Bekehrung eines lieben Menschen, die Heilung deiner tiefsten Seelenwunde, sichtbare Frucht deines Dienstes, fühlbare Fortschritte in der Heiligung…
Befindest du dich gerade in solch einer Warteschleife?
Dauert es dir zu lange?
Musst du schon Monate oder gar Jahre in der Stille ausharren?
Die Zeit verrinnt und es bewegt sich in dieser einen Sache: Nichts.
Und selbst kannst du auch nichts ausrichten.
Manchmal müssen wir als Kinder Gottes still halten, weil unser himmlischer Vater ein bestimmtes Werk an uns tun will, was nur im Stillstand möglich ist.
Mose
Mose hielt sich 40 Jahre in der Wüste auf, bevor Gott ihn zum Propheten und Leiter seines Volk berief. Natürlich war er sich schon lange vorher sicher, dass Gott ihn zur Errettung seines Volkes gebrauchen würde. Er hatte doch nicht umsonst diese Position, Ausbildung und Macht erhalten!
Dann kam der verhängnisvolle Tag, an dem er endlich seiner Überzeugung Taten folgen ließ. Aber das Volk erkannte nicht, dass er ihnen helfen wollte. Und so musste er fliehen…
Plötzlich fand er sich statt am geschäftigen, prächtigen Königshof in einer Wüste wieder. Der mächtige Königssohn hütete nun eine Kleinviehherde. Da war keiner zum Beherrschen da, keiner der seinem Willen gehorchte. Im Gegenteil: Nun musste er sich um das Wohlergehen von eigenwilligen Ziegen kümmern.
Jetzt war er die meiste Zeit allein.
Tagein Tagaus. Warteschleife. Stillstand.
Keiner war zum Reden da.
Nur Gott.
Die Wüste bildete 40 Jahre lang Gottes Klassenraum, einen göttlichen „Boxenstopp“ für Mose. Dort wurde dem Warnsignal, welches durch den Mord in Ägypten so durchdringend ertönt war, auf den Grund gegangen. Mose lernte nun Demut, reifte im Glauben, hier erlernte er Gebet, – während er in Bezug auf das Volk Israel nichts unternehmen konnte und sich in der Einsamkeit der Wüste fern von seinen Brüdern aufhielt. Für Mose mag dieses ‚Nichtstun‘ schwer zu ertragen gewesen sein, wo sein Volk doch Tag für Tag versklavt blieb.
Doch Gott wirkte im Verborgenen. Seine Lektionen geschahen in der Stille. Und sie gehörten zu Gottes Rettungsplan.
So wirkt Gott auch oft an uns, wenn er an uns ein bestimmtes Werk tun will, welches nur in Stille erlernt werden oder reifen kann. Es ist ein sehr Wichtiges für die Zukunft!
Halte vertrauensvoll still. Selbst wenn die eine Sache so dringend scheint! Gott hat einen eigenen Zeitplan. Lasst uns diesen demütig für uns annehmen und darauf warten, was unser himmlischer Vater tun wird. Bei ihm gibt es keinen Stillstand. Er vergeudet niemals etwas, auch keine Zeit!
Nur auf Gott wartet still meine Seele; denn von ihm kommt meine Hoffnung.
» Psalm 62,6
