Persönliches
Mein Name ist Rita Neufeld.
Mit neun Jahren rief mich Gott in seine Nachfolge. Seither darf ich eine tiefe und glückliche Beziehung zu ihm mit vielen Höhen und Tiefen führen. Hauptberuflich darf ich heute ein Kind Gottes sein. Das ist dermaßen aufregend, dass ich meine Erfahrungen im Beschwerde- und Projektmanagement aus meiner vergangenen Karriere nun an mir selbst erproben darf. Ansonsten darf ich die Ehefrau meines geliebten Mannes sein, der seit dem Tag unserer Eheschließung treu und unterstützend an meiner Seite ist.
Warum das so besonders ist?
Nur wenige Monate nach meiner Glaubenstaufe mit sechzehn Jahren hatten sich die ersten ernsthaften gesundheitlichen Probleme eingestellt. Acht Jahre später, nicht lange nach unserer Hochzeit. diagnostizierte man bei mir Endometriose. Nach weiteren sieben leidvollen Jahren erhielt ich nach langer Suche die Diagnose systemisches Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS). Das sind die Haupterkrankungen, die wahrscheinlich auch für die anderen Diagnosen verantwortlich sind.
Im folgenden Interview erzähle ich mehr über meine Krankheitsgeschichte und den ersten großen Herausforderungen für meinen Glaube und unsere Ehe, die sie mit sich brachte.
Im Gespräch mit Tina von Deep Talk
Unserem Arzt zu Ehren lasst uns reden von den furchtbaren Wunden, die uns einst schmerzten, und von der sanften Hand, die uns half, als es mit uns zum Äußersten gekommen war. – Timothy Rogers
Rückblick
Obwohl ich schon in jungen Jahren ein Kind Gottes werden durfte, – noch bevor es mit all den Schmerzen losging, fehlte mir lange Zeit der richtige Zugang zum Thema Leid. Ich versuchte mit dem persönlichen Maß davon in meinem Leben selbst fertig zu werden. Durch Verdrängung.
Bis der Zeitpunkt gekommen war, an dem ich als junge Erwachsene erkennen musste, dass ich ernsthaft bzw. chronisch krank war und mich auf die Suche nach einer Diagnose, Therapiemöglichkeiten und dauerhafte Schmerz- bzw. Symptomlinderung machen musste.
Würde ich mein Leben lang mit diesen Beschwerden leben müssen?
Wer würde mir helfen, mich unterstützen und hatte ich überhaupt Chancen auf Heilung?
Ich fühlte mich nun von Jesus allein gelassen und ungeliebt. Mir war bewusst, dass Gott mich bisher getragen hatte, all die Jahre, in denen es mir oft nicht gut gegangen war. Seine tragende Liebe durfte ich in allen schwierigen Phasen erfahren. Durch das Gebet hatte er mir stets Trost und neue Kraft geschenkt. Aber nun, wo ich non-stopp Schmerzen hatte und keinen Ausweg sah, verkümmerten meine Gebete zu Selbstgesprächen. Mein Problem dabei war schlicht folgendes: Ich hatte Gott aus diesem Lebensbereich ausgeklammert. Ein liebender Gott und Leid? Das bekam ich nicht zusammen. Mir stellten sich so viele Fragen, auf die ich keine Antwort wusste. Also verdrängte ich solche Gedankengänge. Ich verdrängte noch vieles mehr um nicht an Gott zu zweifeln, – und nicht zu verzweifeln.
Und nun – wo war Gott, als ich ihn so dringend brauchte?
Er war die ganze Zeit da. Er hörte jedes Wort meiner Klagen und Bitten, Er sah jede Träne und fühlte mit jedem Schmerz und jeder Verletzung mit. Der innere und äußere Schmerz verschleierte jedoch mein Wahrnehmungsvermögen und mein verletztes Ego schaute nur in mich hinein anstatt von mir weg hin zu Gott.
Aber Gott sei Dank! Er ist sehr geduldig, und wusste genau, was ich durchmachte. Er wartete, bis ich bereit war mit ihm darüber zu reden und seinen Trost zu empfangen. Er begegnete mir an meinem Tiefpunkt mit seiner ganzen Liebe so überwältigend, dass ich endlich wieder Vertrauen zu ihm fasste. Wenn er mich so sehr liebte, dass er am Kreuz sein Leben für mich opferte, dann wollte ich an seiner Hand das mir bestimmte Leid durchstehen.
Damit kamen viele unbequeme Fragen an die Oberfläche:
Warum hatte Gott, der Gott der Liebe, das eigentlich zugelassen?
War Gott zornig vielleicht oder strafte er mich?
Was wäre, wenn ich wirklich nicht mehr gesund werde?
Konnte ich kinderlos glücklich sein?
Wie konnte ich als Christin so körperlich eingeschränkt leben und ein erfülltes Leben führen?
Wie konnte ich Gott trotzdem verherrlichen?
Wie sollte ich mit den Schmerzen und all den Symptomen umgehen?
Wie sollte ich mit den Verletzungen umgehen, die ich durch mein Umfeld erfuhr?
Durfte ein Christ überhaupt krank sein?
usw…
Auf der Suche nach Antworten fing ich an Biographien aus diesem Blickwinkel zu lesen und in theologischen Büchern zu forschen. Die Bibel sprach nun auf andere Weise zu mir. Ich erkannte: Gott bringt aus Bösem Gutes hervor. Gott benutzt Leid, um Großes und Herrliches zu bewirken.
Und der Glaube daran, dass er es auch in meinem Leben tat, wuchs langsam aber stetig. Das befähigte mich zunehmend Gott auch in schwierigen Stunden weiter zu vertrauen und mich über Ihn zu freuen.
Heute
Um ganz ehrlich zu sein: Einfach ist das Leben als chronisch kranke Person selten. Für mich bedeutet dies einen ganzen Katalog an verschiedenen Beschwerden, starke Erschöpfung und Erschöpfbarkeit, Medikamenten- und Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Kinderlosigkeit, Einsamkeit, „Sich-ständig-erklären-müssen“, Selbstzweifel, Angst vor der nächsten allergischen Reaktion, der nächsten Regelblutung, dem nächsten erbarmungslosen Krampf, dem nächsten Schub, dem nächsten Krankenhausaufenthalt, dem nächsten Versagen…, Tag für Tag.
Ängste und Schwachheit sind schwer zu überwinden.
Bedürftigkeit und Abhängigkeit sind schwer einzugestehen.
Egoismus und Opferrolle sind schwer aufzugeben.
Krankheit und Schmerzen sind schwer zu ertragen.
Manchmal ist das Leben unerträglich.
Doch wisse, meine Seele,
du bist vom Leben selbst getragen.
» Rita Neufeld
Jesus Christus kann jedes Leid beenden und somit auch jede Krankheit heilen. Und doch tut er es oft nicht. Auch bei mir nicht. Nach vielen Jahren an Gottes Hand durch viele Höhen und Tiefen kann ich heute aus voller Überzeugung sagen:
Gott verfolgt damit sein große übergeordnete Ziele. Er gebraucht Leid in meinem Leben als ein mächtiges Werkzeug der Gnade, durch welches ich Ihn immer tiefer kennenlernen und mich von ihm umgestalten darf.
Vielleicht drückt es dieser Vers am passend aus:
Denn deine Gnade ist besser als Leben;
meine Lippen sollen dich rühmen.
Psalm 63,4
Umso schwieriger sich die Umstände gestalten, umso schwieriger fällt es mir dankbar und zufrieden zu sein. Es ist keine leichte Aufgabe über die Schwierigkeiten hinweg hin zu Gott zu blicken. Es ist der Kampf um Freude; Freude, die ausdrückt, dass Gott völlig genügt und dass alle meine Bedürfnisse in Ihm erfüllt sind! Jetzt schon zur Genüge und dann vollkommen in der Ewigkeit!
Diese hart erkämpfte Freude ist eine tiefgehende Freude, und sie ist bleibende Freude, da sie sich allein auf Gott gründet. Und weil sie sich auf Gott, also seinem Wesen und seinen Taten, gründet, die ewig, vollkommen und unverändert sind, so ist diese Freude in Gott genauso unabhängig von den Umständen, die mich umgeben.
Ausblick
Auch wenn ich krank bin, kann ich schon heute in Ihm ein erfülltes und glückliches Leben führen. Ich darf wissen, dass jeder Schmerz und jeder Kampf einen gottbestimmten Sinn erfüllt und ein göttliches Ziel verfolgt, welche ich bereits jetzt zum Teil erkennen darf; – aber die ich in der Ewigkeit erst richtig in Form von mir geschenkter Herrlichkeit entdecken und begreifen werde.
Denn Jesus Christus hat für jedes seiner Kinder Leben in Fülle, Trost, Freude, ja den Himmel selbst erkauft, – eine Zukunft in absoluter Glückseligkeit ganz nah bei Ihm!
Dann werdet ihr euch jubelnd freuen, die ihr jetzt eine kurze Zeit,
wenn es sein muss, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, damit die Bewährung eures Glaubens, (der viel kostbarer ist als das vergängliche Gold, das doch durchs Feuer erprobt wird) Lob, Ehre und Herrlichkeit zur Folge habe bei der Offenbarung Jesu Christi.
» 1. Petrus 1,6-7
Darum lassen wir uns nicht entmutigen; sondern wenn auch unser äußerer Mensch zugrunde geht, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. Denn unsere Bedrängnis, die schnell vorübergehend und leicht ist, verschafft uns eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, da wir nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das Unsichtbare; denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.
» 2. Korinther 4,16-18
